Makromolekulare Chemie II

    Prof. Dr. Axel Müller

Doktorarbeit
Jiayin Yuan (03/2005-09/2008)

Eindimensionale Hybrid-Nanomaterialien aus zylindrischen Polymer-Bürsten

Betreuer: Axel H. E. MĂŒller

Zusammenfassung

Durch Kombination von anionischer Polymerisation (fĂŒr das RĂŒckgrat) und ATRP (fĂŒr die Seitenketten) wurden zylindrische PolymerbĂŒrsten mittels der "grafting from" Technik hergestellt. Auf diese Weise konnten enge Molekulargewichtsverteilungen sowohl im RĂŒckgrat als auch bei den Seitenketten gewĂ€hrleistet werden. Ausgehend von diesen PolymerbĂŒrsten konnten dann verschiedene eindimensionale (1D) polymer-anorganische Hybridmaterialien im Nanometer-Maßstab dargestellt werden.

Im Falle der wohldefinierten PolymerbĂŒrsten mit Kern-Schale Struktur wurden, je nach Art der gewĂŒnschten eindimensionalen Hybridstruktur, verschiedene Kombinationen von Kern und Schale ausgewĂ€hlt. Zylindrische PolymerbĂŒrsten mit einem Kern aus Poly(3-acryloylpropyl trimethoxysilan) und einer Schale aus Poly(oligoethylenglykol)methacrylat wurden in wĂ€ssriger Amoniak-Lösung hydrolysiert um wasserlösliche Polymer-Silizium Hybride zu erhalten. Der Vorteil bei dieser Methode ist, dass die Trimethoxysilyl-Gruppe kovalent und damit direkt an die PolymerbĂŒrste gebunden ist und damit die Zugabe einer zusĂ€tzlichen anorganischen Siliziumquelle vermieden werden kann. Diese Hybrid-NanodrĂ€hte können flĂŒssigkristalline lyotrope Phasen ausbilden und ausserdem als Vorstufen fĂŒr die pyrolytische Bildung von Silizium-NanodrĂ€hten dienen.

Weiterhin wurden amphiphile zylindrische PolymerbĂŒrsten mit einem hydrophilen Kern aus PolyacrylsĂ€ure und einer hydrophoben Schale aus Poly(n-butylacrylat) als Template und gleichzeitig Nanoreaktoren benutzt. Durch die Möglichkeit der PolyacrylsĂ€ure, Cd2+ Kationen zu komplexieren, konnten zylindrische CdSe-HalbleiterstĂ€bchen hergestellt werden. Da durch die Koordination die chemische Struktur der PolyacrylsĂ€ure nicht verĂ€ndert wurde, konnte der Beladungsprozess wiederholt werden und somit die Dichte an CdSe Nanopartikeln in der Hybridstruktur erhöht werden. Dies konnte durch AFM, TEM und UV-Vis eindrucksvoll belegt werden.

Doppelt hydrophile PolymerbĂŒrsten mit einem Poly(2-hydroxyethylmethacrylat)-Kern und einer Poly(oligoethylenglykol)methacrylat-Schale wurden fĂŒr die Darstellung von wurmĂ€hnlichen TiO2 Halbleiter-Nanopartikeln und somit einer Polymer-Titandioxid-Hybridstruktur verwendet. Als Titanquelle hierbei diente eine in-situ durchgefĂŒhrte Transalkoholyse zwischen dem Kern der PolymerbĂŒrste und zugefĂŒhrtem Ti(OC4H9)4. Die Polymer-Titandioxid-HybriddrĂ€hte wurden dann zur Bildung von Anatas-NanodrĂ€hten bei 550 °C pyrolysiert.

Alle bislang vorgestellten anorganischen NanodrĂ€hte weisen einheitliche LĂ€ngen und Dicken auf. Dies wird auf die niedrige Molekulargewichtsverteilung der PolymerbĂŒrsten zurĂŒckgefĂŒhrt, die in allen FĂ€llen als Vorstufen verwendet wurden. Außerdem diente die Schale der PolymerbĂŒrsten zur Abschirmung der anorganischen NanodrĂ€hte untereinander. Hierdurch konnte eine weitere Aggregation verhindert werden und die Polymer-Metall-Hybridstrukturen konnten in verschiedenen Medien, inklusive Wasser, in Lösung gehalten werden.

Bei einer leicht abgeĂ€nderten Strategie wurden zylindrische HomopolymerbĂŒrsten aus Poly(tert-butylmethacrylat) benutzt um einheitliche einkristalline Tellur-NanodrĂ€hte (LĂ€nge bis zu 822 nm, Durchmesser ca. 36 nm, AspektverhĂ€ltnis von 2.7 bis 22) bei Raumtemperatur in THF herzustellen. Diese StĂ€bchen sind löslich in THF und weisen adsorbiertes Polymer auf der OberflĂ€che auf. Weiterhin konnten zusĂ€tzliche Tellur- oder Magnetit (Fe3O4)-Nanopartikel darauf abgelegt werden. Dieselbe Methode wurde auch fĂŒr lineare PtBMA-Polymere mit sehr hohen Molekulargewichten verwendet. Die Darstellung von Magnetit auf diesen TellurstĂ€ben konnte durch das stöchiometrische VerhĂ€ltnis von Nanopartikeln und StĂ€bchen kontrolliert werden. Die TellurstĂ€be mit Magnetitpartikeln zeigen superparamagnetisches Verhalten und konnten in Anwesenheit eines externen Magnetfeldes auf OberflĂ€chen ausgerichtet werden.

All diese neuartigen, eindimensionalen und auf PolymerbĂŒrsten basierenden Hybridstrukturen zeigen faszinierende elektronische, optische, katalytische, halbleitende und magnetische Eigenschaften und sind dadurch im Rahmen verschiedenster Anwendungen von Interesse.

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